#WirGegenExtremismus ist eine private Initiative von Soldaten und aktiven sowie ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr. Sie wurde online im Schwerpunkt über die Plattform Instagram gestartet. Die zentrale Kernbotschaft der Privatkampagne ist die öffentlichkeitswirksame Positionierung von Soldaten gegen jegliche Form von Extremismus. Als eine intrinsisch motivierte Aktion, die aus dem Innern der Truppe erwachsen ist, unterstreicht sie in aller Deutlichkeit, dass es in der Bundeswehr keinen Platz für Ausgrenzung gibt und ihre Angehörigen sich nachhaltig für Vielfalt einsetzen. In den ersten vier Wochen schlossen sich ca. 1000 Teilnehmer der Mitmachkampagne an und setzten ein digitales Zeichen gegen Extremismus. Die Aktion ist ein offenes Projekt ohne Enddatum und entwickelt sich fortwährend durch das Engagement der Community weiter.
Ursprung der Initiative
Die mediale Berichterstattung im Bundeswehrkontext war in den letzten Jahren geprägt von negativen Schlagzeilen. Meldungen über Nachwuchsprobleme, Ausrüstungsmängel, unzureichender Einsatzbereitschaft bis hin zu aufgedeckten Rechtsextremismus-Fällen und vermehrten Verdachtsfällen zeichneten ein einseitiges Bild über die Bundeswehr. Unbestritten sind alle diese Meldungen zur Aufklärung der Öffentlichkeit wichtig und dürfen in der öffentlichen Debatte um die Bundeswehr nicht fehlen. Doch durch die dominierende Rolle der Negativmeldungen erfahren die vielen Erfolge der Bundeswehr wenig Geltung und gehen in dem Prozess der gesellschaftlichen Meinungsbildung unverhältnismäßig unter. Das Resultat ist eine grundlegende Abwehrhaltung und Ablehnung eines Staatsorgans, welches eigentlich samt seiner Angehörigen in der Mitte der Gesellschaft verankert sein sollte. Die Bundeswehr als ein exekutiver Teil unserer Gewaltenteilung ist jedoch mit dem Tenor eines Generalverdachts hinsichtlich Rechtsextremismus belegt, wodurch schon auf niedrigster Ebene sich insbesondere Soldaten immer wieder mit entsprechender Missachtung konfrontiert sehen müssen. Konträr dazu ist vor allem der Fakt, dass die meisten Rechtsextremismus-Fälle in der Bundeswehr durch Soldaten selbst angezeigt und gemeldet werden. Das Bundesamt des Militärischen Abschirmdienstes bearbeitete bis zum letzten Tag des Jahres 2020 insgesamt 1.016 Verdachtsfälle, davon sind dem Bericht nach 843 Verdachtsfälle dem Rechtsextremismus zuzuordnen. Im Bereich Rechtsextremismus stieg 2020 die Anzahl der Verdachtsfälle im Vergleich zum Vorjahr von 363 auf 477. Wer meint diese ansteigende Fallzahlen seien ein Indikator dafür, dass die Bundeswehr mehr Extremisten in ihren Reihen hätte als in den Jahren zuvor, der irrt. Denn der zu beobachtende Anstieg an Meldungen zeigt vor allem, dass die Bundeswehr über ein hohes Maß an couragierten sowie sensibilisierten Angehörigen verfügt, die fest auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen und Nulltoleranz gegenüber Rechtsextremismus haben. Außerdem zeigt sich, dass die strukturellen Maßnahmen und Mechanismen, seien es politische Bildungen oder Meldeketten, greifen und Erfolg haben. Informationen wie diese finden in der öffentlichen Berichterstattung meist keinen Platz. Dies begünstigt Trugschlüsse sowie irrtümlich hergestellte Zusammenhänge und zwingt die Bevölkerung regelrecht dazu ein fehlerhaftes Bild von der Bundeswehr in sich zu manifestieren.
„Jedoch zeigen die stark gestiegenen Meldezahlen extremistischer Verdachtsfälle, dass die Bundeswehr äußerst sensibel auf extremistisches Verhalten in den eigenen Reihen reagiert.“

Dieses falsche Bild, was von meiner Bundeswehr (die ich niemals so erlebt habe wie sie in der Medienlandschaft dargestellt wird), gezeichnet wird, machte mich in der Vergangenheit und bis heute einfach nur sprachlos und traurig. Ich bin mit Leib und Leben Soldat. Durch die Bundeswehr konnte ich mich persönlich so unfassbar weiterentwickeln, neu entdecken und die interessantesten, beeindruckendsten Persönlichkeiten kennenlernen. Ganz davon zu schweigen, welche Möglichkeiten hinsichtlich Aus- und Weiterbildung mir durch die Bundeswehr zu teilgeworden sind. Mein Werdegang in der Bundeswehr in den letzten knapp 10 Jahren hat mir den wahren Charakter der Bundeswehr gezeigt, der sicherlich auch Schwächen hat. Er ist aber ganz sicher nicht annähernd mit dem vergleichbar, was die Medien, insbesondere der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Zivilgesellschaft vermitteln. Das ist übrigens auch einer der Hauptgründe, weshalb ich so aktiv und engagiert auf den sozialen Netzwerken über meinen (Dienst-)Alltag bei der Bundeswehr berichte. Als die Bundeswehr sich endlich für die Social Medias geöffnet hat und damit einen notwendigen Schritt hat zukunftsfähig zu bleiben, war das für mich die Chance der Autor meiner eigenen Bundeswehr-Wirklichkeit zu werden. Endlich war es möglich selbst über die Bundeswehr und den eigenen Soldatenalltag zu berichten. Keine verfälschten Einblicke mehr von Dritten, die nicht Teil dieses einzigartigen Gefüges sind und gegebenenfalls einzelne Soldaten-Quellen versuchen wiederzugeben, die aber aus meiner Sicht niemals repräsentativ für die Bundeswehr sein können. In meiner Vorstellung wäre es eine sehr große Errungenschaft, wenn der Großteil der Soldaten über seinen individuellen Alltag online berichtet und sich vernetzt. So würde die Vielfalt der Bundeswehr sichtbar werden, denn Soldat ist nicht gleich klassischer Soldat nach dem Kämpferethos, und die Soldaten würden ein grundlegendes Verständnis zur Einordnung ihres eigenen Auftrags in das „große Ganze“ bekommen. Diese von mir ersehnte Vernetzung findet mittlerweile besonders auf Instagram und Twitter statt. Soldaten tauschen und helfen sich aus und überwinden die Grenzen des eigenen Kosmos, welche sie real durch die räumliche Trennung nicht hätten durchbrechen können. Vorurteile werden überwunden (manchmal vielleicht auch bestätigt) und der Grundsatz „Operationen verbundener Kräfte“ manifestiert, siehe #WirGegenExtremismus. Hier setzten Soldaten, Zivilangestellte bis hin zu Reservisten und Veteranen unabhängig der Teilstreitkraft gemeinsam ein Zeichen im Kampf gegen Extremismus. Diese Bewegung ist aus der Vernetzung von einzelnen Soldaten erwachsen, die sich ausgetauscht haben und zusammen die neue Ressource Social Media für die Bundeswehr nutzen wollten, um ihre eigenen Erfahrungen und das daraus resultierende Bild in die Welt zu tragen. Der ausschlaggebende Moment für die Intensivierung der bereits bestehenden Kommunikation und den Wunsch nach Handlungsbedarf ereignete sich letzten Sommer. Als das TV-Magazin Panorama Oberstleutnant Bohnert trotz unzureichender Belege als einen Sympathisanten von Rechtsradikalen an den öffentlichen, digitalen Pranger stellte. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar weder konkrete Ideen noch Pläne wie und was man mit der neuen „digitalen Fähigkeit“ machen könnte, aber uns war klar: ungenutzt sollte das Potential nicht bleiben. Nach und nach keimte die Idee der Mitmachkampagne #WirGegenExtremismus auf und wuchs zu einem Projekt heran, in welches insbesondere das Kernteam viel Freizeit, Herzblut und Hingabe steckte. Doch wie auch im realen Gefecht kann ein Ziel nicht erreicht werden, wenn nicht jeder einen Teil dazu leistet. Eine Mitmachkampagne lebt davon, wie der Name schon sagt, dass Menschen mitmachen. Wir Initiatoren haben grundsätzlich die Organisation und Planung übernommen, aber ohne jeden einzelnen Teilnehmer wäre diese Bewegung niemals so erfolgreich und durchschlagskräftig geworden. Es muss immer einen Führer geben, aber ohne die Kraft der Gemeinschaft kann es keinen Erfolg geben. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bei allen Unterstützern dieser Initiative bedanken. Es ist mir eine große Ehre, dass wir #WirGegenExtremismus gemeinsam zu dem gemacht haben, was es nun ist: Ein starkes Zeichen aus dem Innern der Truppe für Vielfalt und gegen Extremismus.
#WirGegenExtremismus
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Es folgt in Kürze ein neuer Blogeintrag zum Ablauf und der Entwicklung von #WirGegenExtremismus.